Samstag, Februar 28, 2015

Deutscher Dachschaden

Erschienen in: Direkte Aktion 227 – Jan/Feb 2015
Ein Kommentar von Hedwig Hegel

Die Welt brennt. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es nicht so viele Menschen gegeben, die aufgrund von Krieg, Hunger und Not dazu gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen: Laut UNHCR-Schätzung waren es bereits im Juni (also noch vor Erstarken des IS) über 50 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht waren.

Auch vielen Menschen hierzulande macht die globale humanitäre Katastrophe große Sorge. Leider aber ist ihre Sorge eine ganz andere, als man sie von verständigen und mitfühlenden Wesen in dieser Situation erwarten würde: denn ihre Sorge ist die Sorge um sich und um die Nation, der sie zufälligerweise angehören; um ihre Identität, ihr Deutschtum, ihr Volk. Ihre Feinde sind der IS sowie angeblich der Faschismus; aber ihre Feinde sind gleichermaßen diejenigen, die gegen den IS kämpfen und der Antifaschismus. Die gleiche „ postideologische“ Verwirrung, die zur politischen Kapitulation der Piratenpartei geführt hat, weder links noch rechts sein zu wollen, setzt sich bei AfD, Pegida, neuen Friedensbewegten, besorgten Bürgern usw. fort. Wie bei einem leeren Gefäß, das mit den unterschiedlichsten Flüssigkeiten aufgefüllt werden will, bildet sich ihre gesellschaftspolitische Verwirrung aus sich diffus zusammensetzenden Versatzstücken der unterschiedlichsten und sich häufig widersprechenden Ideologien wie Christenheit (Abendland) und Nationalismus, Humanismus („Werte“) und Chauvinismus, Religiosität und Atheismus. Sie verstehen im wahrsten Sinne des Wortes nicht, was auf der Welt und was in der Gesellschaft, in der sie leben, vor sich geht. Ihnen fehlt eine begriffliche Apparatur genauso wie ein moralischer Kompass, der auf ihr gründen könnte. Große Teile der Berufspolitik, allen voran die CSU, nutzen seit Langem den einzigen gemeinsamen Nenner der Bewegung, die Ausländerfeindlichkeit, zum Stimmenfang und schüren diese damit weiter. Ihre Vorschläge wie zuletzt etwa die völlig hirnverbrannte Forderung danach, seine Muttersprache nicht mehr im Familienkreis zu sprechen, folgen dem Zweck, dem eigenen und dem allgemeinen Ressentiment zu entsprechen und sich anzubiedern. Auch dahinter stecken die Ablehnung und die Angst vor dem Fremden, dem Anderen. Dem Anderen, durch dessen Erfahrung gelungene Bildung notwendig erst immer noch hindurchgehen muss.

Erschienen in: Direkte Aktion 227 – Jan/Feb 2015

Wedding (er) Freiraum

Am 04.03.2015 beginnt die erste Gerichtsverhandlung um Mieterhöhungen für die Brunnenstraße 6/7. Damit steht der Erhalt eines der größten politischen Hausprojekte Europas auf dem Spiel. Mhm, google.fonts.api :(

Towards an Anti-Colonial Anarchism

black_flag.jpg Auf anarchistnews.org ist ‘ne Interessante Diskussion, losgetreten vom Intercontinental Cry dessen Artikel ich auch immer wieder gerne verlinkte, entstanden. Anti-Kolonial ist IMHO auch immer Anti-National. Schon der olle Scholl-Latur machte in den 70/80ern auf Tribalismus und Stammeskulturen (im Nahen und fernen Osten) aufmerksam. Kann auch ein Lösungs-Ansatz sein, dann möchte ich aber auch bitte keinen “Ältestenrat” oder ähnliche Patriarchale Strukturen. Wie verhindern? Also die Zapatisten mit ihren “rotierenden Räten” finde ich da ganz interessant.

to be continued

Donnerstag, Februar 26, 2015

Kinder geben Anstoß für erfolgreiche Blockade gegen Abschiebung in Erfurt

Nachdem ein Kind ihren Eltern, die in der Initiative Roma Thüringen aktiv sind, von der Abschiebung einer Schulfreundin erzählt hat, organisierten sich spontan Menschen, um Widerstand zu leisten. Ca. 150 Menschen fanden sich daraufhin am Montag, den 23.02.2015, gegen 21.00 Uhr vor dem Lager in der Stauffenbergallee 25 ein, um die Abschiebung der Familie K. zu verhindern.

Die Abschiebung wurde abgebrochen, nachdem der Einsatzleiter der Polizei, Thomas Ziegler gegen 22:30 Uhr erklärte, seine Beamten würden heute keine Abschiebung durchsetzen. Die Aktion war ein deutliches Signal, dass Menschen in Erfurt zusammenhalten und zusammen leben wollen. Von den Balkonen aus konnten Geflüchtete seit langer Zeit eine Menschenansammlung beobachten, die nicht sich nicht in feindlicher Absicht zusammengefunden hatte. Dafür gab es Tee, Applaus und lächelnde
Gesichter für die Menge vor dem Haus. Viele Geflüchtete solidarisierten sich und nahmen an der Blockade teil. Schon letze Woche Dienstag, den 10.02.2015, fand eine Kundgebung der Kampagne „Memedovich bleiben – Alle Bleiben!“ vor der Ausländerbehörde in Erfurt statt, die sich klar für ein Bleiberecht aller ausgesprochen hatte.

Familie K. war 2014 aus Kambodscha bis nach Deutschland geflohen. Die dreiköpfige Familie sollte nach Tschechien abgeschoben werden, wo sie zum ersten Mal das Gebiet der Europäischen Union betreten hatte. Grund dafür ist die Dublin-III Verordnung, die vorsieht, dass Geflüchtete dort ein Asylverfahren zu durchlaufen haben, wo sie zum ersten Mal EU-Territorium betreten haben. Unmittelbar vor der angekündigten Abschiebung nach Tschechien äußerte die Mutter der Kinder ihrem Freundeskreis in Erfurt, warum sie nicht nach Tschechien könne: „Ich habe Angst, dass meine Kinder in Tschechien nicht zur Schule gehen können.“ Tatsächlich ist über die Bedingungen für Asylsuchende im östlichen Nachbarland wenig bekannt. Die zunehmende Überlastung in den
EU-Grenzstaaten, wie in Italien, Griechenland oder Bulgarien lässt keinen Raum für Zuversicht. „Ich weiß nicht, ob wir genug zum Leben haben, wenn wir dort leben müssen“, so Chhun K. weiter. „Ich möchte, dass meine Kinder hier zur Schule gehen können und ich möche selbst die deutsche Sprache lernen und hier Arbeit finden.“

„Die mit der Dublin-III Verordnung verlagerte Verantwortung für Schutzsuchende in die EU-Grenzstaaten bedeutet zunehmend katastrophale Bedingungen, wie Obdachlosigkeit und Armut, von denen ganze Familien mit kleinen Kindern betroffen sind“, erläutert Alexandra Hoffmann des Freundeskreises der Familie K. aus Erfurt.

Die neue Thüringer Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag eine Prüfung der Abschiebepraxis vereinbart. In der Öffentlichkeit haben sie sich mit dem in Thüringen offiziell erlassenen Winterabschiebestopp ein
menschenfreundliches Image zugelegt. Gleichzeitig finden aber weiter Abschiebungen statt. „Der Winterabschiebestopp ist an sich schon nur eine temporäre Einrichtung und ab April kann offiziell wieder abgeschoben werden. Aber selbst jetzt werden Asylsuchende von der Polizei abgeholt und weggeschafft, nur weil es amtsdeutsch Überstellung genannt wird. Abschiebungen sind immer ein gewaltsamer Eingriff in das Leben von Menschen und mit einem selbstbestimmten Leben nicht vereinbar“, beklagt Alexandra Hoffmann.

Kontakt:
WWW: http://www.breakdeportation.blogsport.de

Presseberichte:

MDR.de, 24.02.2015

Thüringer Allgemeine online, 24.02.2015

Infoladen Sabotnik, 24.02.2015

Gesellschaft in Geiselhaft #cyberpeace vs. #cyberwar

Technology Review Newsletter - 25.02.2015
www.heise.de/tr

*März 2015 - Ende der Tarnung*

*Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, *

„Chile, gesteuert von einem Computer“, titelte die Zeitung „British Observer“ – und zwar 1973. Im Projekt Cybersyn hatte Präsident Salvador Allende sein Land mit einem Kommunikationsnetz überzogen, das Daten aus den landesweit verteilten Industriebetrieben sammelte. Zentrale Rechner werteten die Informationen aus. Am Ende sollten Entscheidungen besser
und schneller fallen. Cybersyn musste nie zeigen, wie gut es wirklich funktionierte. Als das Militär die Herrschaft Allendes 1973 beendete, endete auch das Projekt.

Jetzt steht der nächste Versuch an. Aber er ist nicht nur auf Chile beschränkt, gilt nicht nur als futuristisches Experiment eines sozialistischen Landes, seine Wirtschaft zu lenken. Der Versuch ist global, und er betrifft uns alle. Mit Big Data und Predictive Analytics versuchen Forscher, aus großen Datenmengen Vorhersagen abzuleiten – über den Menschen, die Wirtschaft, sogar Krieg und Frieden. Es ist der größte Versuch, das Leben in Formeln auszudrücken, den der Mensch jemals unternommen hat. Lesen Sie, wie weit die Forscher mittlerweile gekommen sind – und was das für unser Leben bedeutet. An dieser Stelle nur so viel: Es wird gleichzeitig großartig und unheimlich.

Sehr schlecht recherchiert! Das Projekt Cybersyn wird hier, This book (first published in 1993 by Spokesman, Nottingham, England) is our attempt to answer the idea that socialism is dead and buried after the demise of the Soviet Union. ausgiebig von den “Erfindern” behandelt. Das Buch ist als PDF Gratis (nach) zu lesen. Der o.g. Millitärputsch wird auch im Buch erwähnt. Das System wurde quasi “zusammengeschossen”.

Menschen wollen Glauben, und der Kapitalismus (besser: Seine Jünger!) konnten ihren Gläubigen lange Zeit etwas vormachen. Und wie das so bei Gläubigen mit Tunnelblick ist….

Good Night & Good Luck! @ Menschheit!

Motto

Es gibt nur noch eine Sache, die du verstehen solltest.

Ich habe mich selbst das Nähen, das Kochen, das Klempnern
und das Schreinern gelehrt, ich kann mir sogar bei Bedarf
selbst auf die Schulter klopfen, nur damit ich niemanden um
etwas bitten muss.

Es gibt nichts, das ich von irgendjemandem brauche, außer
Liebe und Respekt, und wer mir diese beiden Sachen nicht
geben kann, hat keinen Platz in meinem Leben.”

Administration